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Offenburger Tageblatt, Badischer Turnerzeitung

Christoph Bruder auf internationalem Parkett erfolgreich!

Der Weg zum erklärten Saisonziel, der Junioren-Weltmeisterschaft im Orientierungslauf, gestaltete sich für Christoph Bruder (OLG Ortenau) sehr schwierig. Bei seinem altersbedingt letzten Start wollte er, nach bereits zwei Junioren-WM-Teilnahmen in den Vorjahren, das Spitzenresultat mit einem Platz unter den Top Ten folgen lassen. Bis in den April hinein zeigte seine Leistungskurve stetig nach oben, die Trainingsplanung von Heimtrainer Martin Herzog stimmte und mit dem Gewinn des Deutschen Junioren-Meistertitels über die Langstrecke sowie dem klaren Sieg beim Jugend- und Junioren-Ländervergleichskampf der Landesturnverbände, stellten sich die erwarteten Erfolge ein. Doch schon bald zwang den jungen Ohlsbacher eine Fussverletzung zu einer zweimaligen, insgesamt mehrwöchigen Trainingsunterbrechung bzw. Alternativ-Training mit Aquajogging und Radfahren, begleitet von physiotherapeutischen Massnahmen. Das Trainingslager in Tschechien vor der Weltmeister-schaft, zum Kennenlernen der geländetechnischen und wettkampfspezifi-schen Besonderheiten verbrachte er gezwungenermassen mehr als Tourist, denn als Leistungssportler. Ende Mai / Anfang Juni stellte sich dann endlich Besserung ein, beschwerdefreies, leistungssteigerndes Training und auch die eine oder andere harte Wettkampfbelastung waren möglich. Gerade noch rechtzeitig kam Christoph so vor der wichtigen WM-Woche Mitte Juli in ansprechende Form.

Nach der Anreise ins tschechische Nove Mesto und einigen Tagen Vorbereitungstraining stand zunächst das Rennen über die klassische Distanz auf dem Wettkampfprogramm. Das Gelände präsentierte sich den Startern leicht hügelig, tiefe Täler durchschnitten jedoch immer wieder die sanften Geländeformen und sorgten für massive Abbrüche und steile Anstiege. Die Taleinschnitte waren an den Rändern von mehr oder minder grossen Sandsteinfelsen gesäumt und boten so technisch anspruchsvolle Postenstandorte. Zum richtigen Zeitpunkt war von den Läufern, nach hohem Tempo und grobem orientieren in den Flachpassagen, ein umschalten zu dosierter Laufgeschwindigkeit und präziser Feinorientierung im Postenraum gefordert. Im Starterfeld der Junioren meisterte der einheimische Jiri Kazda die wechselnden Anforderungen in 69:53 min. am Besten, gefolgt vom Finnen Pasi Ikonen (70:11 min.). Platz 3 ging an Kazda`s-Landsmann Jaromir Svihovsky in 70:58 min. Bei widrigen Wetterbedingungen (kühl und Regen) forderte die mit 24 Posten "gespickte" Laufstrecke von 10,4 km, zuzüglich 430 Höhenmetern, Christoph Bruder alles ab. Mit seiner Endzeit von 77:29 min. und Platz 30 unter 155 Läufern konnte er dennoch mehr als zufrieden sein, hatte er doch das für ihn schwierigste Rennen dieser Junioren-WM mit einer außerordentlich guten Leistung hinter sich gebracht.

Die folgenden Kurzstreckenläufe entsprachen schon mehr der Vorliebe des jungen Ohlsbachers. Die Qualifikationshürde nahm er sicher und zog souverän in das A-Finale am darauffolgenden Tag ein. Der Final-Wald bereitete den meisten Läufern wenig Freude, präsentierte sich er sich doch überwiegend als ruppiges Gelände mit viel Grün, stellenweise feuchten oder steinigen Gebieten. Obwohl auch nicht nach Christoph`s Geschmack gelang ihm, wie bereits im Vorjahr mit Platz 14, erneut ein Superlauf. Nur mit dem Unterschied, dass in Tschechien 3,5 min. Rückstand auf die Siegerzeit (25:28 min.) Platz 23 unter 60 Finalisten bedeutete. Die Tschechen konnten ihre Dominanz über die Kurzstrecke noch steigern und gewannen alle Medaillen.

Nach einem guten Staffelrennen zum Abschluss der Junioren-WM-Woche konnte Christoph Bruder eine persönlich absolut zufriedenstellende Bilanz ziehen, umsomehr wenn man die widrigen Umstände während der Vorbereitungszeit betrachtet.

Die ansprechenden Leistungen von Christoph Bruder wurden vom Nationaltrainer mit der Einladung zur Champions Week im österreichischen Leibnitz Anfang August belohnt. Anlässlich der Park-World-Tour (weltweite Serie zuschauerfreundlicher und medienwirksamer Orientierungsläufe in Parks oder parkähnlichem Gelände) kam es dort zu einem Stelldichein der weltbesten Läufer. In der Qualifikation schrammte Christoph Bruder um winzige 9 Sekunden in seinem Vorlauf an dem, ob der Leistungsdichte, fast unmöglich zu erreichenden A-Finale vorbei. Gleiches widerfuhr seinem Teamkollegen Alexander Lubina/Bottrop, so dass sich beide im B-Finale wiederfanden. Dort schlug dann die grosse Stunde von Alexander, der den B-Lauf gegen starke Konkurrenz zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Christoph stoppte an diesem Schlusstag leider eine aufkommende Erkältung.

Bei der Mixed-Staffel am Tag zuvor schlug sich das Deutsche Team, bestehend aus zwei Damen (Meike Jäger/Gundelfingen, Anja Mattick/Dresden) und zwei Herren (Alexander Lubina, Christoph Bruder) beachtlich und erreichte mit 7,5 Minuten Rückstand auf die siegreichen Schweden Platz 10.

Derzeit weilt Christoph bei der Militär-Weltmeisterschaft im norwegischen Kristiansand, wo er als Bundeswehr-Angehöriger (Sportfördergruppe Warendorf) die Deutschen Farben vertritt.

Martin Herzog